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GASTBEITRAG: Vorbild sein

 

Die kommenden, sehr wertvollen Worte, stammen ausnahmsweise nicht von mir , sondern von der lieben Magdalena von "Miteinander wachsen", die sich zu einem Gastartikel bereit erklärt hat.

 

Magdalena möchte Eltern ermutigen mit ihren Kindern einen anderen Weg zu gehen, um so zu mehr Liebe, Freude und Miteinander-Sein im Familienalltag zu kommen. Ihr Herzensanliegen ist es Eltern zu vermitteln, wie wichtig und wertvoll es ist ihre Kinder zu sehen, anzunehmen und zu lieben wie sie sind. Die Grundhaltung von Jesper Juul und ihre Familylab Trainer Ausbildung haben ihr geholfen ihren Weg als Mama zu finden. Aus dieser Motivation heraus möchte sie Eltern mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung im Umgang mit ihren Kindern inspirieren und unterstützen.

 

Nähere Infos zu Magdalena findest du hier (Link zu Familylab: http://www.familylab.at/about/team/item/magdalena-kaliauer-dr)

 

oder auf Magdalena’s Facebook Seite: https://www.facebook.com/miteinanderwachsen/

 

 

Magdalena Kaliauer von "Miteinander wachsen"
Magdalena Kaliauer von "Miteinander wachsen"

Vorbild sein - Kinder brauchen keine Erziehung

Unsere Kinder sind kompetent. Sie kommen als wertvolle, soziale, vollständige Menschen in unser Leben. Sie brauchen keine Erziehung. Sie müssen nicht zu etwas gemacht werden. Was Kinder brauchen ist ein Vorbild von dem sie lernen wie sie im Leben am besten zu recht kommen.

 

Ich beobachte in meinem Leben, dass mein Sohn durch meine Handlungen und durch meine Worte so viel unbewusst und automatisch von mir lernt. Das geht so spielerisch und einfach, dass ich immer wieder staune. Das Grundlegende dabei ist, dass ich ihm und mir vertraue. Vertraue, dass er es lernen wird, wenn die Zeit für ihn reif ist, nicht wenn ich es für wichtig erachte oder wenn andere das wollen.

 

Ich habe meinen Sohn nie angehalten jemanden zu grüßen oder sich zu bedanken. Ich habe es ihm vorgelebt. Er grüßt nun von sich aus, wenn er grüßen mag. Für mich ist es okay, dass er nicht jeden grüßt, denn ich grüße auch nicht immer. Manchmal bin ich in Gedanken und sehe jemanden nicht bzw. höre nicht, dass mich jemand grüßt. Andere Mal grüße ich z.B. meinen Nachbarn nicht, weil es mir nicht gut geht und ich eigentlich nur noch nach Hause möchte oder vielleicht in Eile bin. Was ich bei meinem Sohn beobachtet habe, ist, dass er ganz authentisch grüßt: je nachdem wie er gerade drauf ist, wie sehr er sich freut die Person wieder zu sehen oder weil er die Person einfach so gerne mag oder auch nicht mag. Das finde ich wunderschön. Seine Freude und seine Emotionen bei Grüßen mitzuerleben berührt mein Herz. Spannend ist auch, dass er manche Personen nicht grüßt. Dies sind vor allem Personen, die sich erwarten, dass er grüßt. Egal was sie machen, er grüßt sie nicht bzw. verabschiedet sich nicht. Für mich ist das ok. Er zeigt, dass er nicht auf Befehl grüßen bzw. sich verabschieden will. Er rebelliert quasi gegen die guten alten Normen und Erziehungsregeln. Das unterstütze ich aus vollem Herzen, da sich ein authentisches Grüßen aus dem Herzen anders anfühlt als eine Höflichkeitsfloskel.

 

Das gleiche gilt für das Bedanken. Wenn er sich bedankt, dann hat er sich echt darüber gefreut bzw. ist aus seinem Herzen dankbar. Ich finde es so schön diese authentische Dankbarkeit zu erleben und nicht einfach aus Höflichkeit oder weil es sich so gehört „Danke!“ zu hören. Ich spüre zwischen diesen beiden Situationen einen großen Unterschied und mir ist es wichtig, dass er authentisch sein kann. Auch ich will authentisch sein und das habe ich von meinem Sohn wieder gelernt. Egal was andere dazu sagen.

 

Aber nicht nur bei den Klassikern, dem Grüßen, Verabschieden und Bedanken habe ich die Erfahrung gemacht, dass Vorbild sein das Grundlegende für das Begleiten von Kindern ist. Es wirkt in all allen Lebensbereichen, ob es das Essen, das Teilen, das Zusammenräumen und Ordnung halten bei uns Zuhause, die Verkehrserziehung, der Umgang mit anderen Menschen, etc. betrifft. Die schönsten und leichtesten Lernerfahrungen von meinem Sohn habe ich erlebt, indem ich Vorbild war. Ich musste nicht mühsam, aktiv etwas meinem Kind beibringen und es erziehen. Es ging von alleine. Ich brauchte ihm und mir „nur“ vertrauen, dass es okay ist, so wie es jetzt ist und dass er es lernen wird. Dort wo es für uns schwierig ist und das Verhalten meines Sohnes ganz und gar nicht meinen Vorstellungen entspricht, dort habe ich einen Wundenpunkt. Das sind die Themen, wo ich etwas vergessen, verlernt oder verdrängt habe. Ich habe gelernt, dass es sich lohnt, genau diese Situationen anzuschauen, meinem kompetenten Kind zu vertrauen und den Mut zu haben etwas zu verändern. So heilen meine Wunden und er übernimmt diese Themen nicht von mir.

 

Ein aktuelles Beispiel aus meinem Leben möchte ich dir noch erzählen. Wir sitzen beim Tisch und essen zu Abend. Unser Sohn möchte noch ein Joghurt als Nachspeise. Mein Mann und ich essen noch. Keiner von uns will ihm das Joghurt holen, da wir noch essen. Ich sage zu unserem Sohn: „Ich esse noch und möchte nicht aufstehen. Du kannst dir gerne selber das Joghurt holen.“ Nach einigen Neins, entscheidet er sich doch in die Küche zu gehen um sich selber das Joghurt zu holen. Er ruft uns aus der Küche zu: „Kann ich euch auch was mitnehmen?“ Mein Mann und ich rufen: „Nein, danke!“ und wir freuen uns. Das hat er von uns gelernt, denn mein Mann und ich fragen auch immer wieder, wenn wir uns was holen „soll ich dir was mitbringen?“

 

Es ist meine tiefste Überzeugung, dass Kinder vieles unbewusst und automatisch von uns lernen. Sie sind exzellente Beobachter und schauen sich alles von uns ab – egal ob gut oder schlecht. Mir fällt es immer wieder auf, dass die Kinder den Eltern sehr ähnlich sind. Ich glaube es liegt genau daran. Darum habe ich unserem Sohn nicht versucht irgendwelche Benimmregeln beizubringen. Es kam ganz alleine, weil wir es ihm vorlebten. Ich versuche auch in anderen Lebensbereichen Vorbild zu sein. Mal gelingt es mir besser, mal weniger gut. Das ist okay. Daraus lernen wir beide und wachsen miteinander in unsere Persönlichkeit.

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